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  • : Frettchens Welt
  • : Frettchen, oder wie ES die Welt sieht. Alltägliches aus ihrem typisch chaotischen Leben gemischt mit humorvoll kritischer Betrachtung des Universums und des ganzen Rests, gespickt mit Kurzgeschichten die teilweise nicht von dieser Welt sind.
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21. Juli 2008 1 21 /07 /Juli /2008 10:03

Als meine Eltern damals ihr Haus gebaut haben, war ich, 14 jährig, stolz wie Oskar, dass ich meinem Vater beim Bau helfen durfte. Unendgeltlich natürlich, sonst wäre es ja Kinderarbeit gewesen, welche ja schließlich verboten ist. Ihr seht das argumentieren hab ich wohl von meinem Vater gelernt.

So verbrachte ich meine gesamten Sommerferien täglich 12 bis 16 Stunden auf dem Bau. Ich durfte so tolle Hilfsjobs machen, wie Speis anrühren, Sand schaufeln, Steine schleppen usw.

Doch dann kam mein Tag, mein Vater hatte ein echte Aufgabe für mich: Ich durfte den gesamten unteren Stock verkabeln. Er zeichnete Stiche auf die Wände, zeigte mir, wie man Schlitze klopft und meinte schließlich, ich solle in die Schlitze dreiardriges Kabel legen und die Schlitze wieder zuputzen.

Er reagierte etwas befremdlich, als ich ihn fragte was denn ein dreiadriges Kabel sei. Das konnte es doch nicht geben, die Tochter eines Elektromeisters wusste nicht was ein dreiadriges Kabel ist. Dementsprechend schnodrig fiel seine Antwort aus: "Da zählste einfach die Drähte im Kabel, das mit drei Drähten ist das dreiadrige."

Da ich mich nun nicht mehr traute weiter zu fragen und außerdem meinen Vater stolz machen wollte, wühlte ich in dem Haufen mit den Kabelrollen und zählte brav Drähte. Tatsächlich fand ich mehrere Rollen mit drei Drähten. Siegessicher legte ich die Kabel in die Schlitze, ließ die vorher von meinem Vater angegebene Länge überstehen und verputze munter die Schlitze.

Als das ganze schön getrocknet war, machte mein Vater sich daran, die Steckdosen, Lichtschalter und Verteilerdosen anzuschließen. Ich stand stolz daneben, war es doch mein Werk, dass er nun nur noch die Drähte anschließen mußte. Plötzlich, und aus mir vollkommen unverständlichen Gründen, brach das Donnerwetter los.

"Sag mal Du bist doch sogar zum Zigaretten holen zu blöd, Du fällst noch hin und verbiegst das Markstück. So was Saublödes ist mir doch noch nie untergekommen." Verdattert schaute ich meinen Vater an und überlegte fieberhaft was ich denn nun wieder falsch gemacht haben könnte. Die Kabel hatte doch alle drei Drähte und auch die Schlitze waren sauber und glatt zugeputzt.

Nachdem mein Vater sich etwas beruhigt hatte, fand er doch noch die Kraft mir zu erklären was der Unterschied zwischen einen dreiadrigen Stromkabel, mit drei einzel isolierten Litzen und einem Erdungskabel mit drei nicht isolierten Litzen sei.

Langer Rede, kurzer Sinn, ich hatte Erdungskabel in die Schlitze gelegt und damit nicht genug, das ganze auch noch schön verputzt. Also war ich nächsten zwei Tage damit geschäftigt die Schlitze wieder aufzumachen und das richtige Kabel reinzulegen.

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Kommentare

Rolf Hartmann 07/31/2008 11:32

Das nennt man glaub' ich Erfahrungslernen!
Aber auch zu sagen ist: Zu der "theoretischen Unterweisung" fehlte das Beispiel - ein Stück dreiadriges Kabel.