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  • : Frettchens Welt
  • : Frettchen, oder wie ES die Welt sieht. Alltägliches aus ihrem typisch chaotischen Leben gemischt mit humorvoll kritischer Betrachtung des Universums und des ganzen Rests, gespickt mit Kurzgeschichten die teilweise nicht von dieser Welt sind.
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5. Februar 2011 6 05 /02 /Februar /2011 13:17

 

Iss was!

Folge 10: Hühnersupp

(gefunden im Darmstädter Stadtkulturmagazin P)

 

Gesundheit! Euch kann man aber auch keine zwei Monate alleine lassen, ohne dass Ihr verschnupft, erkältet und ausgelaugt aus der Winterpause herauskommt. Dann wollen wir mal schön zusammen Doktor spielen und sehen, ob wir das Ganze nicht wieder gerade biegen können. Probier'n wir's doch einfach mit dem wohl ältesten

Rezept gegen nervige Grippekrankheiten überhaupt: Hühnersupp!

 

Hühnersupp

 

Dauert so lange wie: Warten beim Arzt ohne Termin

Ausschnitt1

Sieht aus wie: e gerubbt Hinkel in Brie

Am besten mit: 39 °C Fieber und Wasserweck

Nebenwirkung: wundersame Heilung

 

Kostet so viel wie: eine Packung Aspirin Plus C

 

Für vier Personen:

 

1 ganzes Hähnchen

3 Liter Wasser

 

1 Zwiebel

2 Stangen Lauch

¼ Knolle Sellerie

2 bis 3 Kartoffeln

2 bis 3 Zehen Knoblauch

1 Lorbeerblatt

Ingwer, Chilischote (nach Laune)

150 g Reis

Gemüsebrühe/Hühnerbrühe

Frische Petersilie, Kreuzkümmel, Curry, Muskatnuss, Garam Masala, Salz, Pfeffer

 

Mach ma schee de Mund uff und sag „Aaaahhhh“. Oje, des sieht aber gar net gut aus: Die Mandele sinn dick wie Stiereier, es Stimmsche hört sich an, als hättste Tom Waits gefrühstückt und mit dem Huste biste der Könisch unter allen Straßenkötern. Respekt, mein Freund – Du bist total im Arsch! Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem man jedes böse Wort bereut, das man seiner Muddi jemals an den Kopf geworfen hat und man wünscht sich nur noch zurück ins Kinderstübchen, um bemitleidet und gesundgepfegt zu werden. Nix da! Du musst auch in solch kritischen Situationen endlich lernen, auf eigenen Füßen zu stehen – oder vielmehr auf eigener Couch zu liegen! Deshalb gibt’s jetzt den Grundkurs für Krankheitsautonomie: How to make your own Hühnersupp.

 

Im Prinzip braucht's für dieses Wunderwerk der Heimapotheke nur zwei Zutaten: Hühnsche und Supp. Wer's unbedingt vegetarisch braucht, kann des Hinkel auch weglassen. Allerdings ist uns nicht überliefert, ob das Wässerschen dann heilenden Kräfte entwickelt. Wir raten Euch, keine halben Sachen zu machen und gleich mal ordentlich Supp zu brühen! Es ist immer sehr beruhigend, jede Menge Hühnersüppsche im Gefrierschrank zu wissen: Das erspart einem im Krankheitsernstfall 'nen Haufen Arbeit. Des Weiteren ist es auch die beste Mahlzeit und der absolute Bringer nach durchzechten Nächten! Gerade in der heutigen Zeit, in der sich schienbar ein Lebensmittelskandal an den anderen reiht, empfiehlt es sich, auf die Herkunft des Eier legenden Teiles der Zutaten besonderen Wert zu legen. In Darmstadt gibt’s dicke und glückliche Hühner zum Beispiel auf dem Hofgut Oberfeld zu kaufen. Allerdings müsst Ihr da für das gesunde und unbeschwerte Leben des gefiederten Freundes tief in die Taschen greifen. Wir finden jedoch, dass es sich durchaus lohnt, wenigstens ab und zu eine anständige und artgerechte Tierhaltung zu unterstützen. Aber das muss jeder für sich entscheiden. Wenn's Dir so dreckig geht, dass Du dich gerade noch mit allerletzter Kraft in den Supermarkt schleppen kannst, tut's wohl auch ein Griff ins Kühlregal. Sei Dir jedoch bewusst, dass sich der Giggel vermutlich sein ganzes kurzes Leben mindestens so beschissen fühlte wie Du gerade.

 

So, genug gesabbelt, jetzt geht’s ab auf die Couch: Süppche löffeln, dabei Dschungelbuch reinziehen, an die Mama denken und morsche biste wieder fit! Hand drauf!

 

Idealerweise bist Du im Besitz eines Tieres ohne Innereien, ansonsten befinden sich diese meist in einer Tüte eingeschnürt im Inneren des Huhns. Ob der Metzger, Herr Seiler ausm Supermarkt oder gar der Schöpfer himself dies da so reingelegt hat, bleibt für heute unbeantwortet. Auf jeden Fall brauchen wir sie nicht und entsorgen sie umgehend.

 

Jetzt badest Du das vorher gewaschene Huhn in einem Topf mit drei Litern Wasser und bringst alles zum Kochen. Zwiebel, Lauch, Sellerie, Karotten und Kartoffeln in die gewünschte Größe schneiden und dazugeben. Dann noch Knoblauch, Ingwer, Lorbeerblatt und – wenn's brennen soll – Chilischoten mit rein.

 

Wenn alles eine Stunde gekocht hat, nimmst Du das Huhn heraus und legst es zum Abkühlen beiseite. Den Topf lässt Du aufm Herd und stellst die Flamme so klein wie möglich.

 

Nun beginnt die Würzorgie. Es ist schwer zu sagen, wie viel Du von dem einzelnen Gewürzen benötigst. Am besten tastest Du Dich langsam an Deinen Lieblingsgeschmack heran: Schön sparsam mit Salz und Brühe, sonst ist der Spaß schnell vorüber und die Supp versalze! Auch Kreuzkümmel und Curry sins zunächst besser erstmal in kleinen Mengen auszustesten. Tipppp: Wir empfehlen, ein wenig Exotik in die Brühe zu zaubern und sie mit indischen Masala-Gewürzmischungen aufzupeppen.

 

Jetzt kommt der handwerkliche Part: Hünchen zerlegen... und zwar mit bloßen Händen! Damit sich das Huhn nicht bei Dir ansteckt, kannste auch gern Gummihandschuhe anziehen. Haut, Knochen und Knorpel werden entsorgt und das Fleisch gibst Du in mundgerechten Happen zerkleinert mit in den Suppentopf. Nun noch den Reis dazu und alles für 20 Minuten vor sich hinköcheln lassen. Danach: Ab in die Suppenschale damit, Muskatnuss drauf und Petersilie drüber – fertig!

 

Gute P-esserung!

 

Text: Sascha Löwel

Fotos: kommen noch, der Scanner ist kaputt.

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