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  • : Frettchens Welt
  • : Frettchen, oder wie ES die Welt sieht. Alltägliches aus ihrem typisch chaotischen Leben gemischt mit humorvoll kritischer Betrachtung des Universums und des ganzen Rests, gespickt mit Kurzgeschichten die teilweise nicht von dieser Welt sind.
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23. September 2009 3 23 /09 /September /2009 17:49

 

Das Universum und ich sind selten einer Meinung, man kann sagen, dass wir uns nicht wirklich verstehen. Um ganz ehrlich zu sein, wir werden wohl nie Freunde werden.

 

Aber seit Tagen zermartere ich mir mein Hirn, was ich denn getan haben könnte um das Universum dermaßen zu verärgern.

 

Dabei fing alle so harmlos an, ein kleiner Defekt an meinem Opel, eine freie Werkstatt in der Nachbarschaft und weder Geld noch Lust das Fahrzeug in eine Fachwerkstatt zu bringen.

 

Nein, in Wirklichkeit fing alles am Tag meiner Zeugung an, der Gerüchten zufolge der 18. Geburtstag meiner Mutter gewesen sein soll. Ich erwähne dies nur, weil doch angeblich alles irgendwie zusammenhängt, wie dieser Fakt da rein passt ist mir zwar noch überhaupt nicht klar, aber sicher ist sicher.

 

Also an besagtem Tag hat das Universum wohl beschlossen, dass es mal wieder einen neuen Spielball gebrauchen könnte und sorgte dafür dass sich das Spermium durchsetzte, welches das Legastheniker-Gen trug.

 

Und was das mit meinem defekten Opel zu tun hat, ist ganz einfach zu erklären. Legastheniker sind Rechts-Links-Verwechsler. Und so geschah es dass ich eines Tages mit meinem Opel Combo Diesel an meiner Stammtankstelle ankam und feststellen musste, dass alle Zapfsäulen auf der linken Seite nicht nur besetzt sondern mit mindestens einen weiteren wartenden Wagen blockiert waren, aber eine Säule war noch auf der rechten Seite frei.

 

Da mein Tankstutzen auf der rechten Seite ist, hielt ich es für eine gute Idee rückwärts an die freie Stelle zu fahren um somit die Säule auf der richtigen Seite zu haben. Und in alter Gewohnheit nahm ich den dritten Hahn von vorne, um zu tanken. Dabei ignorierte ich die Tatsache, dass die rechte Seite der Säule nicht das Spiegelbild der linken Seite darstellte. Träumte dann noch, ganz wie es meine Art ist etwas vor mich hin, bevor ich auf die Anzeige der Säule schaute und beim Preis des Kraftstoffes stutzig wurde.

 

Es war passiert ich war dabei Benzin in mein Dieselfahrzeug zu tanken. Ich unterbrach zwar sofort den Tankvorgang, hatte allerdings bereits 16 Liter Benzin getankt. Da mein Tank nur 50 Liter fasst, hatte ich dann ein Mischungsverhältnis von 16 Liter Benzin zu 34 Liter Diesel.

 

Wir haben dann sofort so viel von diesem Gemisch wieder abgezogen, leider lies sich nur der halbe Tank abpumpen, sodass immer noch ca. 8 Liter Benzin verblieb, welches wir mit einer weiteren Dieseltankung weiter verdünnten.

 

Im festen Glauben noch mal mit dem Schrecken davon gekommen zu sein, fuhr ich mein Auto wie gewohnt weiter und tankte zur Sicherheit die nächsten Male schon nach, wenn der Tank nur halb leer war um den Benzinanteil weiter zu verdünnen.

 

Bei jedem anderen hätte das Universum nun ein Auge zugedrückt und hätte sich gesagt: „Ok, sie hat es noch gemerkt, lassen wir sie davon kommen.“ Aber natürlich nicht bei mir, so fing auf einmal an der Kühler überzukochen. Eine Nachfrage beim freundlichen KFZler aus der Nachbarschaft ergab die Ferndiagnose: „Da hat es wohl die Zylinderkopfdichtung gefetzt, Auto auf jeden Fall stehen lassen.“

 

Da der Weg quer über die Straße der weiteren Schadensvermeidung zuträglich war, beschloss ich mein Auto dort reparieren zu lassen. Außerdem könnte man mit dem Nachbarn ja reden. Gesagt, getan, der Nachbar kam meiner finanziellen Situation auch entgegen, indem er mir anbot, an meinem Fahrzeug während Leerlaufzeiten zu arbeiten und mir dafür im Preis entgegen zu kommen.

 

Da das Wetter gut und der Weg zur Arbeit nicht weit war ging ich auf diesen Vorschlag ein, konnte ich doch mit dem Motorrad zur arbeit fahren und ne Woche ohne Auto würde schon rum zu kriegen sein.

 

Wenige Tage danach kam die erste Hiobsbotschaft: „Der Zylinderkopf hat einen Riss, am besten den Motor austauschen.“

 

Nachdem ich diese Nachricht verdaut hatte, dachte ich naives Ding doch tatsächlich, dass es das Universum doch einmal gut mit mir meinen könnte, denn ich konnte auf einem Schrottplatz einen passenden Motor relativ günstig finden. Der Motor steckte zu diesem Zeitpunkt sogar noch in seinem Fahrzeug, so dass ich ihn auch laufen lassen konnte, um mich zu überzeugen, das er auch lief.

 

Das kleine Problem, dass ich den Motor zwar super mit meinem Combo transportieren könnte, wenn der nur liefe, löste mein KFZler für mich, indem er anbot den Motor für mich abzuholen.

 

Im festen Glauben, dass nun alles gut werden würde, verbrachte ich meine letzte ruhige Nacht.

 

Der nächste Tag brachte einen Wetterumschwung. Das ist eigentlich nicht schlimm, denn mit einem Regenkombi kommt man mit dem Motorrad trockener an, als mit dem Auto, da man den Helm bis ins Gebäude auf dem Kopf lassen kann. Aber die Reifen von meinem Chopper sind sehr alt. Was bei einem Chopper nicht so tragisch ist, da es sehr selten zu extremen Kurvenlagen mit 200 km/h kommt. Aber die Traktion bei nasser Fahrbahn ist dermaßen schlecht, dass man am besten vergisst, dass das Dingen Bremsen hat.

 

Also musste ich mich auf das Abenteuer Nahverkehr einlassen. Und ich kann euch sagen, wenn man mit fast vierzig etwas zum ersten Mal tut, fühlt man sich ganz schnell wieder wie ein Kind. Aber da ich schon ein großes Mädchen bin, schaffte ich das auch.

 

Immer noch in der Hoffnung dass ich am Wochenende zu meinem geplanten Konzert der Smirnoff-Kids fahren zu können, ergab ich mich in mein Schicksal und fuhr tapfer Bus.

 

Der Tag X rückte immer näher und ich erwartete jeden Tag zu hören dass mein Auto wieder läuft.

 

Dann kam die nächste Hiobsbotschaft: „Der Motor ist eingebaut, alles umgebaut und wieder angeschlossen, er springt auch sofort an, geht aber auch gleich wieder aus.“

 

Dieses Verhalten eines Motors kannte ich bereits. Da es zu meinem Auto nur noch einen Schlüssel gab, habe ich mir einen nachmachen lassen um einen Reserveschlüssel zu haben. Und da ist genau das gleiche passiert. Die Erklärung des Schlüsseldienstes lautete ganz einfach, der Wagen hat eine Wegfahrsperre.

 

Ich lies meinen Nachbarn an meinem Wissen teilhaben, worauf er meinte: „Na toll und wo sitzt das Ding?“

 

Ich fuhr also in eine Opel-Werkstatt um mir die erforderlichen Angaben zu beschaffen, wobei ich mich schon von meinem Konzert verabschiedete.

 

Der nette Mensch bei Opel meinte etwas mürrisch: „Da müssen Sie die Motorsteuerung tauschen, die finden Sie oben links im Motorraum.“

 

Auf meine Frage, ob es nicht doch noch eine andere Möglichkeit gebe, wie zum Beispiel der neuen Wegfahrsperre beizubringen, dass sie mit meinem alten Schlüssel funktioniert, meinte er. Ja das gäbe es, aber dazu müsste die neue Wegfahrsperre in ihrem alten Fahrzeug zunächst dekodiert werden und dann im neuen Fahrzeug neu kodiert werden. Ich traute mich gar nicht erst zu fragen was das kosten würde, zumal dazu der frisch eingebaute Motor wieder umgebaut und ins alte Fahrzeug verbracht werden müsste. Deshalb fragte ich, ob es nicht auch reichen würde, wenn man die Schließanlage des Fahrzeuges umtauschen würde, da ja dann wieder der Zündschlüssel zur Wegfahrsperre passen würde.

 

Darauf meinte der kompetente Opel-Fachman: „Das könnte funktionieren, weiß ich aber nicht wirklich.“

 

Ich fuhr also zunächst einmal zum Schrotthändler und fragte den, ob er denn die Schließanlage aus dem Fahrzeug oder gar das ganze Fahrzeug noch hätte. Das Fahrzeug war allerdings bereits in der Presse gelandet, aber er wäre sich ziemlich sicher, dass er die Schließanlage ausgebaut hätte, aber welches das nun wäre, wüsste er auch nicht und deutete auf eine Kiste mit ca. 100 Schließanlagen.

 

Also gut, dachte ich, dann muss halt die Motorsteuerung getauscht werden. Also zurück zu meinem KFZler. Doch dort angekommen musste ich feststellen, dass sich an der bezeichneten Stelle überhaupt keine Motorsteuerung befindet. Der Nachbar zückte die Digitalcamera und druckte mir eine Aufnahme von meinem neuen, doch leider irgendwie noch nutzlosen Motor aus. Damit bewaffnet fuhr ich zurück zu dem freundlichen Opelhändler, dessen Mine sich bei meinem Anblick keinen Deut aufhellte.

 

„Gibt es noch etwas,“ brummte er mich anstatt einer Begrüßung zu. „Allerdings!“ Ich knallte ihm das Bild auf den Tresen, „wo ist denn da die Motorsteuerung?“

Nachdem er das Bild einige Zeit stirnrunzelnd angestarrt hatte, seufzte er tief und meinte schließlich. „Na gut, komme Sie mal mit, wir schauen mal ob ein passendes Kundenauto auf dem Hof steht.“

 

Und tatsächlich stand da ein Opel Combo Diesel, sogar in der gleichen Farbe. Triumphierend öffnete er die Motorhaube und deutete in den Innenraum, als sich sein Gesichtsfeld ebenfalls dem Motorraum zuwandte lies er den Finger sinken und schaute äußerst ratlos aus der Wäsche. Der eilends aus der Werkstatt hinzugezogene Fachmann erklärte dann, dass der Diesel an dieser Stelle keine Motorsteuerung hätte das wäre nur beim Benziner so. Nach einigem Nachfragen, das mich sehr an Würmer aus der Nase ziehen erinnerte, gab er das alles entscheidende Geheimnis preis. Er erklärte mir wo die Wegfahrsperre zu finden sei, und dass diese mit sogenannten Abreisschrauben befestigt sei und ich einen Satz a 2 Schrauben aus dem Ersatzteilhandel benötigen würde um die alte Wegfahrsperre an den neuen Motor anzubauen.

 

Zum Glück verfügte dieser Händler auch über einen Ersatzteilhandel und der freundliche Opelhändler führte mich zum entsprechenden Schalter und war auch noch so freundlich seinem Kollegen genau zu sagen, was ich benötige.

 

Zu meinem Erstaunen stellte sich heraus, dass der größte Opelhändler in der Stadt von diesem Satz genau einen halben vorrätig hatte, sprich es war eine ganze Schraube an Lager, die zweite musste bestellt werden. Als ich die Schraube nebst Rechnung ausgehändigt bekam, staunte ich nicht schlecht. Die Schraube steckte in einem Plastiktütchen mit der Aufschrift: „GM Made in China“ und sollte stolze 25 € das Stück kosten.

 

Ich konnte mir die folgende Frage nicht verkneifen: „Is dat Dingen aus Platin, oder hat die ein chinesischer Opa in Handarbeit geschnitzt.“

 

Zähneknirschend bezahlte ich und zog mit meiner Beute von dannen.

 

Obwohl nun alle technischen Probleme beseitigt waren, stellte sich ein neues Problem. Der frisch eingebaute, angepasste und angeschlossene Motor musste wieder ausgebaut werden, um die Wegfahrsperre zu tauschen.

 

Das war dann allerdings nur noch eine Frage der Zeit und vor allem der Lohnkosten, mein KFZler konnte mich wenigsten dahingehend trösten, dass er eine Lösung ohne die teure Opelschraube finden würde. Woraufhin ich dem freundlichen Opelhändler einen letzen Besuch abstattete und ihm nun endgültig den Tag versaute, indem ich die Schraube zurückgab und meine Bestellung stornierte.

 

So langsam dämmert mir, warum Opel vor der Pleite steht. Für mich war das auf jeden Fall definitiv der letzte Opel.

 

Inzwischen läuft mein Auto wieder. Mein KFZler scheint mehr an einer guten Nachbarschaft, als an Profit interessiert zu sein, da er mir eine sehr faire Rechnung gestellt hat.

 

Im Groß und Ganzen bin ich nun bereit mich wieder mit dem Universum zu versöhnen. Nun liegt es an ihm.


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Pleiten, Pech und Pannen

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Kommentare

Holger Ebert 02/26/2010 12:05


Hallo Frau Fuchs, ja mit einem Opel erlebt man so einiges ;-) Mehr Glück bei der Reparatur der Glühkerzentechnik ...
LG
Holger Ebert

P.S.
Der besprochene Urlaubsblog von mir:
http://www.holgerebert.blogspot.com/


manuella 10/14/2009 15:43


Tolle Seite, war ein richtiges Vergnügen für mich es zu besuchen. Außerdem habe ich viel Lesenswertes gefunden.