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  • : Frettchens Welt
  • : Frettchen, oder wie ES die Welt sieht. Alltägliches aus ihrem typisch chaotischen Leben gemischt mit humorvoll kritischer Betrachtung des Universums und des ganzen Rests, gespickt mit Kurzgeschichten die teilweise nicht von dieser Welt sind.
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7. September 2008 7 07 /09 /September /2008 22:24

 

 

Manchmal habe ich das Gefühl, dass das Leben von irgendeinem durchgeknallten Autor geschrieben wird, der mit Wirrungen und Verstickungen versucht sein Publikum bei der Stange zu halten und wir sind nur die Figuren, die diese absurden Ergüsse mit Leben füllen müssen.

 

Zumindest beschlich mich bei der folgenden Begebenheit das Gefühl Akteur in einem Stephen King Roman zu sein. Denn genau wie es in seinen Romanen üblich ist, fing alles ganz harmlos, ja sogar richtig idyllisch und lebensbejahend an um dann ganz allmählich im absoluten Chaos bis hin zum blanken Horror zu versinken. Naja vielleicht habe ich auch einfach nur die untrüglichen Anzeichen des nahen Chaos übersehen.

 

Aber ich will von vorne beginnen, dazu muss ich allerdings ein bisschen ausholen:

 

Mein Mann und ich betreiben gemeinsam mit einem Angestellten einen Copy-Shop. Betritt man den Laden befand sich links von der Tür der Kassendresen, rechts von der Tür war ein kleiner Schreibtisch mit einem PC an dem sich die Kunden ihre Dateien selbst ausdrucken konnten. Weiter rechts war ein ehemaliger kleiner Laden, der durch einen Mauerdurchbruch an den großen Laden angeschlossen war, diesen nutzen wir für unsere Großformatkopien, d.h. darin standen ein Großformatplotter, ein Großformatscanner, ein riesiger Planschrank und eine elektrische Schneidemaschine, natürlich auch für Großformat und somit knapp 2 Meter lang. Am anderen Ende des Ladens befand sich ein zweiter Dresen an dem wir früher die Post für einen privaten Briefdienst angenommen haben. Zu dieser Zeit war unser Geschäft grundsätzlich mit 2 Mann besetzt. Und da ich immer den Briefdienstdresen betreute befand sich dort auch mein Arbeitsplatz für die Buchhaltung. In dem hier anschließenden Nebenraum hatten wir alle Maschinen für die Weiterverarbeitung (Binden, Lochen, Heften usw.) untergebracht. So war der Laden in zwei klare Bereiche unterteilt. Der Mitarbeiter am hinteren Dresen nahm die Post entgegen, kümmerte sich um die Weiterverarbeitung und unterstützte den anderen Mitarbeiter bei Bedarf in der Betreuung der Kunden. Und wenn ich Dienst hatte erledigte ich nebenbei noch die Buchhaltung.

 

Seit geraumer Zeit haben wir die Postannahmestelle nicht mehr und der Laden ist deshalb größtenteils nur mit einem Mann besetzt. Was vor allem für mich mit jede Menge Lauferei verbunden war, da ich ja immer wenn die Kundschaft mich nicht brauchte am hinteren Dresen saß und die Buchhaltung erledigte, kam es nicht selten vor, dass ich um 1 Kopie zu 5 ct zu kassieren, quer durch den ganzen Laden laufen musste. Was natürlich auch dazu führte, dass ich oft nicht dazu kam meine Büroarbeiten zu erledigen. Deshalb hatte ich die Idee, das Großformat in den kleinen Nebenraum zu verlegen und die Weiterverarbeitung nach vorne in den kleinen Laden zu packen und dann die beiden Dresen auf die rechte Seite zu tauschen, so dass nur noch ein Arbeitsplatz vorhanden wäre, an dem man durch die Weiterverarbeitung direkt dahinter auch während des Kundenbetriebs z.B. Bindearbeiten erledigen könnte. Mein Mann war sehr lange dagegen, da die beiden Dresen sehr unterschiedliches Design hatten, sähe das ganze doch sehr zusammengestückelt aus, außerdem müssten nicht nur die schweren Maschinen bewegt werden, sondern auch jede Menge Kabel neu verlegt werden. An der Kasse steht ein Zählerkasten in dem von jedem Kopierer ein Kabel ankommt um die Kopien zu zählen, usw.

 

Doch dann lächelte uns das Glück an, in unserer Stadt machte ein großes Geschäft Ausverkauf, weil es schließen wollte und wir konnten dort recht günstig zwei halbrunde Theken erwerben. Nun konnte ich meinen Mann überzeugen den Umbau vor zu nehmen, da mein Vorhaben mit diesen beiden Theken richtig gut aussehen würde.

 

Eigentlich hätte ich schon stutzig werden sollen, als sich der Termin an dem wir die Theken abholen konnten immer weiter nach hinten schob. Aber ich war wie immer völlig unbedarft und glaubte daran dass alles gut werden würde.

 

Am 30. August war es schließlich soweit, wir konnten die Theken abholen, der Hänger war reserviert, Hilfskräfte waren bestellt, um 13.30 Uhr sollte es losgehen.

 

Um 11.00 Uhr klingelte das Telefon, unser Mitarbeiter rief an, um uns mitzuteilen, dass einer der Hilfskräfte angerufen hatte, er würde es nicht zu dem vereinbarten Zeitpunkt schaffen. Leider ging er nicht an sein Handy, so dass ich ihm nur einen Nachricht auf der Mailbox hinterlassen konnte, dass er auf jeden Fall noch kommen solle. Da wir ja zwei Hilfskräfte angefordert hatten und auch unser Mitarbeiter recht kräftig ist, machten wir uns trotzdem auf den Weg.

 

Als wir im Laden ankamen war von der zweiten Hilfskraft nichts zu sehen. In der Hoffnung, dass doch noch jemand auftaucht, begann ich gemeinsam mit unserem Mitarbeiter damit den Inhalt der beiden Räume miteinander zu tauschen. Mein Mann konnte uns leider nicht helfen, da er sich um die Kunden kümmern musste und außerdem aufgrund eines schweren Bandscheibenvorfalls nichts heben kann.

 

Mein Mitarbeiter teilte mir auch gleich mit, dass er nur begrenzt Zeit hätte, da er einen Termin beim Konditor hatte um die Torte für seine bevorstehende Hochzeit auszusuchen.  Und solche Termine lassen sich bekanntlich nicht so kurzfristig verlegen, wie wir den Abholtermin mitgeteilt bekommen hatten.

 

Zum Glück gelang es mir durch management by around the corner (wer ums Eck kommt wird verpflichtet) einen Nachbarn zu Mithilfe zu bewegen. Da dieser auch nur begrenzt Zeit hatte, ließen wir vom Umräumen ab und fuhren los um zumindest schon mal die erste Hälfte der Theke zu holen. Diese sollte ausgeräumt bereit stehen. Als wir ankamen war nur eine der beiden Hälften ausgeräumt, was nicht weiter schlimm wäre, aber ausgerechnet diese Hälfte widerstand dem Abtransport. Wir mussten feststellen, dass durch ein Loch in der Tischplatte ein Rohr von der Decke bis fast an den Fußboden ragte, so dass wir die Theke komplett demontieren mussten, denn in dem Rohr steckten leider stromführende Kabel von denen keiner wusste, welche Sicherung die Leitung tot gelegt hätte, sodass sich der Einsatz einer Flex verbot.

 

Dadurch kamen wir natürlich mit unserem eh schon sehr engen Zeitplan arg in Bedrängnis. Aber schließlich hatten wir die Theke aufgeladen und wohlbehalten zu unserem Geschäft gefahren. Unser Mitarbeiter hatte leider nun keine Zeit mehr beim Abladen zu helfen. Da der Nachbar eh schon zu spät zu seinem Termin kam, half er uns noch dieses Teil abzuladen.

 

Aber schon kristallisierte sich ein neues Problem heraus. Wir mussten die zweite Theke bis spätestens 19.00 Uhr abholen. Wir hatten keinerlei Hilfe mehr und mein Mann darf nichts Schweres heben. Außerdem musste man durch die gebogene Form der Theke mindestens zu Dritt sein, da die Rundung extra abgestützt werden musste. Von unserer Hilfskraft war immer noch nicht zu sehen und am Handy ging immer noch nur die Mailbox dran.

 

Schließlich gelang es uns in der benachbarten Kneipe zwei Leute aufzutreiben, die sich bereit erklärten zu helfen. Als wir endlich das zweite Teil der Theke im Laden hatten, beschlossen wir am Sonntag weiter zu machen. Da der nette Nachbar signalisiert hatte, er könne da wieder helfen und wir hofften die Hilfskraft doch noch zu erreichen, außerdem setzte ich auf die Mithilfe unseres Mitarbeiters.

 

Am Sonntagmorgen rief ich den Nachbar an und erfuhr, dass er zwar noch einen Termin wahrnehmen müsse, aber danach zu uns stoßen würde. Die Hilfskraft und auch unseren Mitarbeiter konnte ich nicht erreichen. Also fuhren wir um 12.00 Uhr ins Geschäft um mit dem Aufbau und dem Umräumen weiter zu machen. Nach kurzer Zeit war ich allein im Laden, da mein Mann einen Kreislaufzusammenbruch erlitt und deshalb wieder nach Hause fuhr. Also räumte ich alles was ich alleine bewältigen konnte um und auf. Stieß aber bald an meine Grenzen da ich viele große Teile nicht bewegen konnte, diese aber zuerst bewegt werden mussten, bevor ich weiter machen konnte. So nahm ich mich des ebenfalls die Seiten gewechselten Kunden-PCs an. Dazu musste ich das Netzwerkkabel aus dem Kabelkanal quer durch den Laden, einmal durch den Nebenraum und wieder durch den Laden fummeln. (Was hatte sich unser Techniker eigentlich dabei gedacht, als er das verlegt hatte). Unser Vermieter hatte vor einem Jahr durch unseren Laden neue Steigstränge ziehen lassen, da die Wohnungen über uns endlich eine zentrale Gasheizung bekommen hatten, dabei haben die Handwerker die Steigstränge teilweise über unseren Kabelkanal gelegt. Ich stand gerade auf der Leiter und versuchte das verflixte Kabel laut vor mich hinmotzend hinter einem der Stränge durchzufummeln als unser Nachbar von mir unbemerkt durch die offene Hintertür in den Laden gekommen war. Ich fiel vor Schreck fast von der Leiter als ich ihn bemerkte.

 

Dank seiner Hilfe kamen wir dann ein großes Stück weiter. Da wir alle großen Teile an ihren Bestimmungsort verbringen konnten. Er bot mir dann auch noch an, mir beim Umräumen und Saubermachen zu helfen, er bot mir sogar an seine Freundin anzurufen, damit sie auch mithälfe. Allerdings musste ich dieses wirklich liebe Angebot ablehnen, da alle Dinge nun erst einmal einen neuen Bestimmungsort bekommen mussten und es somit nicht möglich war, jemanden der sich im Laden nicht auskannte dafür einzuspannen.

 

So machte ich mich daran die 35.479 Einzelstücke, es können auch 35.478 gewesen sein, so genau hatte ich das nicht gezählt, an ihren neuen Bestimmungsort zu bringen. Im Laden sah es aus als wäre die russische Armee durchgezogen. Aber was sollte es ich hatte ja noch 15 Stunden bis wir Montagmorgen wieder aufmachen mussten. Also machte ich mich mutterseelenallein daran diese Aufgabe zu bewältigen. Holte mir zahlreiche blaue Flecken und wurde immer mutloser und auch kraftloser. Als ich den Monitor (einen alten und somit schweren 19“ Oschi) auf seinen Platz stellen wollte, stellte ich fest, dass ich entweder zu kurz für diese Aufgabe, der Standort zu hoch für mich oder ich einfach nur zu kraftlos geworden war um ihn an seinen Platz zu stellen. Also bediente ich mich eines Rolltritts (so ein kleines zweistufiges rundes Teil, welches die Rollen versenkt, sobald man sich drauf stellt.) und hätte beim ersten Versuch fast das Gleichgewicht verloren und wäre mit dem Monitor im Arm abgestürzt.

 

Gegen 20.00 Uhr rief endlich mein Mitarbeiter an, um mir mitzuteilen, dass er den ganzen Tag unterwegs war und das Handy zu Hause gelassen hatte. Irgendwo klingelte es auch bei mir, dass er mit gesagt hatte, dass er den ganzen Tag unterwegs sei, doch dies hatte ich erfolgreich verdrängt. Ich sagte ihm dass es super wäre wenn er mir helfen könne, es allerdings nicht unbedingt notwendig sei, da die großen Teile schon bewegt wären und ich ja immerhin noch 13 Stunden Zeit hätte bis er den Laden aufmachen müsse. Er versprach mir Montagmorgen etwas früher zu kommen, sodass ich noch etwas liegen lassen könne, er würde dann schon dafür sorgen, dass der Laden präsentabel wäre.

 

Gegen 22.00 Uhr rief mein Mann an und sagte ihm ginge es besser, ich könne ihm abholen, damit er mir helfen könne. Da bemerkte ich dass ich den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte und sagte ihm, er solle mir was zu essen machen, ich käme nach Hause und würde erst mal eine Pause machen.

 

Nach dem Essen überredete mein Mann mich, dass wir uns bis 4.00 Uhr hinlegen sollten, und dann gemeinsam in den Laden fahren sollten um Klarschiff zu machen.

 

Um 4.00 Uhr bekam ich meinen Mann nicht wach und fuhr schließlich alleine in den Laden und räumte weiter auf. Schließlich war ich soweit, dass ich wieder Hilfe brauchen konnte um noch die letzten Regale an die richtige Stelle zu bringen, damit sie eingeräumt werden konnten. Da unser Mitarbeiter immer noch nicht aufgetaucht war, rückte ich mit letzter Kraft alles was ich irgendwie allein bewegen konnte an die richtigen Stellen. Mein Mitarbeiter tauchte schließlich 5 Minuten vor Öffnung auf. "Wenn das früher ist, will ich gar nicht wissen, wann er kommt, wenn er pünktlich kommt." schoß es mir durch den Kopf. Es passte wirklich ausgezeichnet zu dem Pannentag, dass ein ansonsten immer pünktlicher Mitarbeiter, aus gerechnet an diesem Tag den Wecker überhörte.  

 

Wir räumten noch bis 12.00 Uhr weiter, dann fuhr ich endlich nach Hause, fiel in mein Bett und schlief sofort ein.

 

Am Freitag darauf kam unser Techniker um den Zählerkasten an die neue Theke zu versetzen. Wir fingen Mittags um 14.00 Uhr mit den Vorarbeiten an, da ich den Laden bis 19.00 Uhr geöffnet hatten, konnten wir die Zähler erst danach abklemmen und neu anschließen, womit wir bis 2.00 Uhr morgens beschäftigt waren. Nun sind auch endlich die Zähler an ihrem Platz und die alte Theke kann endlich raus, was wohl die nächste Aktion gibt, denn dann erst können der Kunden-PC und ein Teil der Kopierer an ihren finalen Platz.

 

So langsam überlege ich mir, ob ich nicht doch lieber weiterhin zwischen den beiden Dresen hin und her gelaufen wäre.


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